Gesehen: Der Astronaut - Project Hail Mary

Ich mag Der Marsianer als Film sehr und finde auch den weiteren Roman von Andy Weir, der für Der Astronaut die Vorlage ist, hervorragend – also war der Film natürlich ein Muss. Auf die Handlung gehe ich hier jetzt mal nicht ein. Hier bietet sich der Trailer an, der nach meinem Geschmack auch bereits zu viel zeigt. Nur so viel: Es geht um nicht weniger, als die Rettung der Erde und die Hoffnung der Menschheit in eine Raumfahrtmission unvergleichbaren Ausmaßes. (Insofern leider absolut unrealistisch, da alle Nationen zusammenarbeitend an einem Strang ziehen.)

Die Besetzung der namensgebenden Rolle durch Ryan Gosling habe ich damals nach Bekanntgabe kritischer gesehen, als jetzt im Nachgang zum Film. Er macht das gut und mit seinem bewährten Charme, spielt aber irgendwie auch immer nur den gleichen Ryan Gosling.
Sandra Hüller macht sofort auf magische Weise unmissverständlich klar, dass sie eine deutsche Schauspielerin ist, ohne es zu erwähnen. Das scheint das entscheidende und einzige Talent zu sein.
Ohne Frage, ist ohnehin Rocky meine Lieblingsfigur des Himmelfahrtkommandos. Mit viel E.T.-Vibes „spielt“ er sich in die Herzen und deckt sich überraschend gut mit dem Bild, das ich mir selbst beim Lesen gemacht habe. Größer, habe ich ihn mir vorgestellt, aber genauso liebenswürdig.

Den Roman habe ich tiefgründiger, zuweilen auch gelegentlich schwermütig, in Erinnerung. Leider kommt bei der Verfilmung kaum eine Szene ohne lustige Punchline aus. Das macht Spaß, deckt sich auch mit weiten Teilen der Vorlage, aber lässt doch einige Momente, die ohne Albernheit und mit mehr Pathos und Pausen hätten erzählt werden können, ungenutzt verstreichen. Insgesamt bleibt der Film aber dicht am Buch. In der Natur der Sache liegt es, dass viele Erläuterungen und handlungserklärende Hintergründe unerzählt bleiben müssen – obwohl die Laufzeit bereits bei über zweieinhalb Stunden liegt. So manches bleibt daher ein wenig unverständlich und einige Entwicklungen und Wendungen ergeben sich zu schnell.

Der Kinobesuch lohnt sich gegenüber der Warterei auf Streamingoptionen in zweierlei Hinsicht: Zum einen fühlt sich der Weltraum auf der großen Leinwand immer wohler, und zum anderen muss man nicht abwarten, um ihn werbebespickt bei Amazon schauen zu können, denn MGM/Amazon macht den Verleih hier sicher exklusiv. Zudem wirkt der Soundtrack im großen Saal natürlich intensiver. Er ist mir besonders positiv in Erinnerung geblieben und wurde auf der Heimfahrt nach dem Kino auch gleich noch einmal aufgelegt.

Für mich ist Der Astronaut die beste Raumfahrtgeschichte seit Interstellar. Liegt das am Schauspiel, den Effekten oder beidem? Nein, es liegt am Buch. Und kann er Interstellar den Rang meines Lieblingsfilmes streitig machen? Bei weitem nicht. Das wird wohl auch nie passieren. Dennoch: Ab ins Kino!

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